Archäologen haben im heutigen Japan Spuren von Cannabisfrüchten, -samen und -fasern an Töpferwaren aus dem Jahr 8000 v. Chr. gefunden. Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wofür Cannabis (zu der Zeit) verwendet wurde. Zwar gibt es für diese Funde keinen Hinweis daraufhin, dass sie zum Rauchen oder zum Verzehr verwendet wurden. Doch Ihr Vorhandensein deutet darauf hin, dass es sich dennoch um eine Nutzpflanze handelte: Für die Herstellung von Seilen, Textilien und möglicherweise als Nahrungsmittel.
Die früheste schriftliche Erwähnung der medizinischen Verwendung von Cannabis findet sich im chinesischen Shen Nung Pen Ts’ao Ching, aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Heilmitteln, deren Ursprung manche Kreise auf das Jahr 2700 v. Chr. zurückführen, in die Zeit der mythischen Gottheit Shen Nung. Obwohl diese Einschätzung unrealistisch ist, deuten andere Belege darauf hin, dass diese Heilmittel (Präparate zur Behandlung von rheumatischen Schmerzen, Gicht, Malaria und Verdauungsproblemen) wahrscheinlich bereits mehrere Jahrhunderte vor der Zusammenstellung des Manuskripts verwendet wurden.
Der Club der Haschischesser wurde von Schriftstellern und Dichtern wie Victor Hugo, Alexandre Dumas, Charles Baudelaire, Honoré de Balzac und Gustave Flaubert sowie vom Maler Eugène Delacroix besucht.
Der Text weist ferner auf die Auswirkungen eines übermäßigen Cannabiskonsums hin, der dazu führe, „Dämonen zu sehen“ und „mit Geistern zu kommunizieren“; dies wird jedoch eher mit den Auswirkungen einer Vergiftung in Verbindung gebracht als mit halluzinogenen Eigenschaften.
Der früheste wissenschaftliche Nachweis für die Verwendung von Cannabis als Halluzinogen stammt aus dem Jahr 500 v. Chr. vom Jirzankal-Friedhof auf dem Pamir-Plateau im Westen Chinas. Die Analyse von Verbrennungsrückständen in hölzernen Kohlenbecken ergab hohe Konzentrationen an Cannabinol (CBN), dem Verbrennungsrückstand von THC, jedoch keine Rückstände von Pflanzen mit niedrigem THC-Gehalt. Dies bestätigte, dass bei Bestattungsritualen ausschließlich Cannabis mit hohem THC-Gehalt verbrannt wurde.
Die archäologischen Funde deuten darauf hin, dass die starken schmerzstillenden Eigenschaften von Cannabis erstmals vom chinesischen Chirurgen Hua Tuo (110–207 n. Chr.) genutzt wurden. Dieser führte schmerzfreie Operationen durch, indem er Cannabisharz mit Wein vermischte.
Swallowtail Garden Seeds PDM 1.0Wir wissen, dass die Ägypter an den Ufern des Mittelmeers bereits seit mindestens 1700 v. Chr. eine Pflanze namens šmšmt (shemshemet) medizinisch nutzten, um entzündete Augen zu waschen, die Gebärmutter zu kühlen, entzündete Finger und Zehennägel zu behandeln sowie bei Ohrenschmerzen und Fieber. Es ist anzumerken, dass in keinem der ägyptisch-medizinischen Papyri das Einatmen oder Rauchen erwähnt geschweige denn von psychischen Wirkungen berichtet wird. Die Ägypter nutzten eine gut dokumentierte Liste psychoaktiver Pflanzen, zu denen Cannabis nicht gehörte.
Das Wort „šmšmt“ wurde ursprünglich für Faserseile verwendet. Manche haben daraus geschlossen, dass es sich dabei um Cannabis handeln müsse, das ist allerdings keine allgemein anerkannte Theorie.
Am wahrscheinlichsten ist es, dass Cannabis über die Skythen nach Europa gelangte, ein Nomadenvolk, das von Zentralasien in die heutige Ukraine und nach Südrussland zog. Der griechische Historiker Herodot (484–425 v. Chr.) war dabei anwesend und schrieb, dass die Skythen bei Bestattungsritualen Cannabissamen in Zelten verbrannten, wodurch ein Dampfbad entstand, auf das sie mit Freudenschreien reagierten. Dieser Bericht wurde durch unabhängige archäologische Funde bestätigt.
Obwohl Cannabis bereits in der griechischen und römischen Zeit bekannt war, gibt es kaum Hinweise darauf, dass es anfangs für andere Zwecke als zur Gewinnung von Fasern (Seile, Segel, Netze und Textilien) genutzt wurde. Berichte über die medizinische Verwendung tauchen erstmals im ersten Jahrhundert n. Chr. in Plinius’ Naturalis historia auf und gipfeln in den Werken des berühmtesten griechischen Arztes der römischen Welt, Galen (129–201 n. Chr.). Dieser listet zahlreiche medizinische Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis auf, warnt jedoch vor dessen übermäßigem Konsum: Bei römischen Banketten wegen seiner entspannenden, heiter machenden und euphorisierenden Wirkung beliebt, bringt Cannabis jedoch die Nebenwirkungen Durst und Trägheit mit sich.
Es wird angenommen, dass Cannabis im 9. Jahrhundert n. Chr. über Händler, die mit Indien Handel trieben, in die arabische Welt gelangte – zeitgleich mit der Übersetzung griechischer und römischer Autoren wie Dioskurides und Galen ins Arabische. Die Araber übernahmen die griechisch-römisch medizinische Tradition, während die Praxis, das THC-reiche Harz aus den Cannabisblüten zu extrahieren und zu einer Paste zu verarbeiten, erst im 12. und 13. Jahrhundert Einzug hielt.
Dominic Milton Trott CC BY 2.0Die Europäer nutzten Cannabis im Mittelalter und in der Renaissance anders als in der arabischen Welt. Sie konzentrierten sich auf die Herstellung von Seilen, Netzen, Segeln und Textilien sowie auf die medizinischen Eigenschaften von Cannabis, verwendeten es jedoch nicht als Rauschmittel. Dafür wurden viele Erklärungen vorgebracht, doch die wichtigste war, dass die europäischen Pflanzen einen geringen THC-Gehalt aufwiesen, was eine Rauschwirkung extrem erschwerte, wenn nicht sogar unmöglich machte.
Die moderne Geschichte von medizinischem Cannabis begann im 19. Jahrhundert, als die wissenschaftliche Methode erstmals auf die Erforschung seiner Eigenschaften angewendet wurde. Der Erste, der dies tat, war der irische Arzt William Brooke O’Shaughnessy, der in Indien tätig war und dort den Großteil seiner Experimente durchführte.
O’Shaughnessy standen Bibliotheken mit jahrhundertelangen pharmakologischen Aufzeichnungen von Sanskrit-, persischen und arabischen Autoren zur Verfügung, deren Wirksamkeit er systematisch überprüfen konnte. Er nutzte einige seiner Patienten, die an Rheuma, Cholera oder Tetanus litten, und sogar ein Kleinkind mit Krämpfen, als Versuchspersonen. Dabei zeigte er, wie Cannabis bei der Behandlung der Symptome wirksam sein oder zumindest dem Patienten eine bessere Lebensqualität verschaffen konnte, wenn die Behandlung versagte. Seine Forschungen und Schriften waren entscheidend für die Förderung der Verwendung von Cannabis in der westlichen Welt.
O’Shaughnessys französisches Pendant und Zeitgenosse war der Psychiater Jacques-Joseph Moreau, der ebenso wie O’Shaughnessy auf einer Auslandsreise (in seinem Fall in den Nahen Osten) mit Cannabis in Berührung kam. Obwohl seine Abhandlungen mehr als ein Jahrhundert lang wegweisend für die Psychiatrie waren und er als Vater der modernen Psychopharmakologie gilt, war es doch die Gründung des „Club des Hashischins“ (Club der Haschischesser), der ihn in Frankreich bekannt machte. Jener Club war zwischen 1844 und 1849 im Hotel de Lauzun in Paris aktiv und wurde unter anderem von Schriftstellern und Dichtern wie Victor Hugo, Alexandre Dumas, Charles Baudelaire, Honoré de Balzac, Gustave Flaubert und dem Maler Eugène Delacroix aufgesucht.
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