Der Grund, warum Menschen – und Säugetiere im Allgemeinen – beim Rauchen oder Verzehr von Cannabis einen Rauschzustand erleben können, liegt darin, dass Cannabis eine stärkere Form einer Reihe von Chemikalien produziert, die unser Körper bereits selbst bildet.
Der Hauptwirkstoff für den Rausch ist THC, eine Verbindung, die in Cannabis reichlich vorhanden ist und unseren Körper zu einer stärkeren Reaktion veranlasst als die natürlich produzierten Cannabinoide.
Alle Wirbeltiere wie Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und sogar Fische verfügen über CB1-Rezeptoren, deren Aufgabe es ist, die Intensität von Signalen aus dem Nervensystem zu regulieren, wenn diese zu stark werden. In diesem Fall schüttet das Gehirn seine eigenen, THC-ähnlichen natürlichen Cannabinoide aus, die an die CB1-Rezeptoren binden und die Intensität des Signals verringern.
THC wirkt ähnlich wie unsere körpereigenen Endocannabinoide, doch anstatt nur auf jene Zellen einzuwirken, deren Signale zu intensiv sind, beeinflusst es alle CB1-Rezeptoren gleichzeitig – und zwar mit einer viel höheren Dosis, als sie auf natürliche Weise produziert wird, und über einen viel längeren Zeitraum hinweg
Wenn Nervenzellen, vor allem im Gehirn und im Rückenmark, sehr aktiv werden, setzen sie Cannabinoide frei, um das eingehende Signal zu dämpfen. Die Cannabinoide binden nicht nur an die CB1-Rezeptoren, um das Signal zu dämpfen, sondern bremsen auch die Produktion von GABA. Dieser ist ein hemmender Botenstoff, der die Produktion von Dopamin, dem körpereigenen Glückshormon, einschränkt. Das Ergebnis ist ein steigender Dopaminspiegel für kurze Zeit.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Endocannabinoid-System (abgeleitet vom altgriechischen Wort „endon“, was „innerlich“ bedeutet) unter anderem eine Rolle beim Lernen und bei der Motivation spielt. Der Körper belohnt das Streben nach schwierigen Aufgaben wie Lernen, Laufen oder das Wiederholen einer Bewegung, um diese zu perfektionieren. Um diese Theorie zu belegen, haben Wissenschaftler die Cannabinoidproduktion bei erwachsenen Mäusen blockiert und konnten beobachten, dass sie weniger bereit waren, für eine Belohnung wie Futter zu arbeiten.
Unser Gehirn lernt, dass bestimmte Reize gute Vorboten einer Belohnung sind (im Experiment mit erwachsenen Mäusen führte beispielsweise das Folgen eines Lichts zu Futter). Unser Gehirn belohnt die Anstrengung zum Erreichen des Reizes durch die Ausschüttung von Cannabinoiden. Diese hemmen die Produktion von Dopamin-blockierenden Chemikalien und verschaffen uns sowie den Mäusen auf diese Art einen Dopamin-Schub – ein Anreiz und Vorbote für die eigentliche bald eintreffende Belohnung.
THC wirkt ähnlich wie unsere körpereigenen Endocannabinoide, doch anstatt nur auf jene Zellen einzuwirken, deren Signale zu intensiv sind, beeinflusst es alle CB1-Rezeptoren gleichzeitig – und zwar mit einer viel höheren Dosis, als sie auf natürliche Weise produziert wird, und über einen viel längeren Zeitraum hinweg. Diese Rezeptoren kommen im gesamten Gehirn vor, insbesondere in Bereichen, die für Gedächtnis, Koordination und Sinneswahrnehmung zuständig sind. Das erklärt, warum der Konsum von Cannabis uns vergesslich und ungeschickt machen, unser Zeitgefühl verzerren oder dazu führen kann, dass wir Essen und Musik intensiver wahrnehmen.
Seamus Walsh CC BY 2.0Cannabis ist in vielerlei Hinsicht anderen Drogen sehr ähnlich, da fast alle suchterzeugenden Substanzen letztendlich den Dopaminspiegel erhöhen, wobei das jede auf seine eigene Art erreicht.
Alkohol beispielsweise verlangsamt die Kommunikationsfähigkeit unserer Zellen untereinander, wodurch wir insgesamt träger werden; er wirkt in gewisser Weise wie ein Schlaf- und Beruhigungsmittel. Im Endeffekt sind wir entspannter, weniger ängstlich und weniger gehemmt, da Alkohol auf die Alarmkreisläufe des Gehirns wirkt, darunter Angst und Selbstkontrolle, das Zurückhalten von Impulsen und das Abwägen von Konsequenzen; gleichzeitig werden wir ungeschickter und lallen, da unsere Koordinationszentren, unser Gleichgewicht und unsere für die Sprache benötigte Feinmotorik beeinträchtigt werden. Darüber hinaus beeinflusst Alkohol auch die Dopaminproduktion und steigert so unser Gefühl von Freude und Wohlbefinden.
Kokain hingegen löst die Ausschüttung körpereigener Cannabinoide aus und erhöht dadurch den Dopaminspiegel auf eine Weise, die die Wirkung von Cannabis nachahmt. Seine Hauptwirkung besteht jedoch darin, den Abbau von Dopamin zu blockieren, den der Körper normalerweise selbst regelt, was zu einer Anreicherung und einem deutlich stärkeren Rausch als bei Cannabis oder Alkohol führt.
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